Archiv für den Monat: Dezember 2014

Manager, Berater oder Beobachtungen aus der Wirtschaft

….er hat es so schwer, wie keiner seiner Vorgänger – der Manager der Neuzeit. Ich vermeide bewusst den Begriff Unternehmenslenker. Denn Manager sind viele und Unternehmen lenken nur wenige. Viele derer, die es sollten, lenken schon lange kein Unternehmen mehr. Sie managen eben. Sie haben keine Zeit mehr, eine eigene Unternehmensidentität zu entwickeln. Corporate Identity ja – aber Unternehmensidentität nein.

Die Frage, wo will ich morgen sein, was brauche ich dazu und wie komme ich wirklich dort hin, ohne das Übermorgen auf’s Spiel zu setzen? Das Bedenken der Risiken, die sich bei der Umsetzung ergeben können und das Einbeziehen der im Unternehmen vorhandenen Fachleute – das findet heute nicht mehr wirklich statt!

Man zieht Berater zu rate – die sind Ende 20 bis Ende 30 Jahre alt, mit vollwertigem Studium und haben 15 Jahre internationale Erfahrung, noch dazu im einschlägigen Geschäftsumfeld  😉

Ist nicht alleine das schon verdächtig??

Beherrscht werden die Alltage dadurch, daß unablässig irgendwelche „Berater“ den Managern zwingend umzusetzende Ideen implantieren, die dann natürlich von eben diesen Beratern gegen höchste Tagessätze in den Häusern realisiert werden sollen.
Lean Management, lean Banking, e-Banking, Six sigma, ISO 9000, process reengineering, continuous improvement. „Und die Japaner haben es schon erfolgreich umgesetzt.“
Allesamt doch sicherlich Maßnahmen, die mit hervorragender Durchschlagkraft die Situation der deutschen Unternehmen nachhaltig verbessert haben – oder?
Die Manager finden sich dann wieder in heute typischen Manager-Rollen. Sie sind Mitglieder oder besser noch Leiter von Projektgremien und Lenkungsausschüssen, in denen dann, DIN A 4 quer natürlich, von den Beratern auf 250 Seiten gezeigt wird, was auf 3 Seiten Prosa Platz hätte. Und für diese 250 Seiten Powerpoint-Folien braucht man dann immer noch einen Conferencier, der erklärt, was auf den Folien steht, denn konkrete Aussagen macht schon lange keiner mehr schriftlich. Und wenn man es in englisch vorträgt, fragt auch kaum einer nach.

Früher, als ein Berater noch ein Berater war, kam dieser ins Haus, weil ihn jemand gerufen hat, der einen Rat suchte.
Frage: Warum eigentlich kommt heute der Berater, ohne daß er gerufen wurde?
Antwort: Weil er da ist, der Besen;-)

Walle! Walle manche Strecke, daß zum Zwecke ... Ja, zu welchem Zwecke eigentlich?

Zu seinem Geschäftszwecke – ungefragt Ideen zu verkaufen.

Es stellt sich dann die Frage, wie viele gute Ideen es in einem begrenzten Zeitraum und in einem begrenzten geschäftlichen Umfeld gibt, die tatsächlich wesentliche, bleibende Veränderungen oder gar Wachstum und Rendite bringen?
Es schließt sich unweigerlich die Frage an, warum in den letzten Jahren die Berater immer mehr und bessere Ideen haben, als die von den Managern ausgewählten und für gut befundenen, eigenen Mitarbeiter oder Leitenden Angestellten?
Die Antwort auf beide Fragen ist folgende: Weil es inzwischen das Geschäftsmodell von ungerufenen Beratern ist, Ideen zu verkaufen. Nur wer Neues hat, kann auch Neues verkaufen. Das ist auch der Grund, warum binnen weniger Wochen eine sogenannte Berateridee sofort von den meisten anderen Beratern adaptiert und verkauft wird. Zumindest werden Segmente der „Neuen Idee“ oder Personal, das diese Neue Idee „schon mit Erfolg eingesetzt“ hat, angeboten. Alleine die Tatsache, daß nun jeder Berater überall die gleiche Lehre verbreitet, schafft in den Unternehmen eine Welle von Verunsicherung und kostenwirksamen Aktivitäten.

Und wenn die Menschheit als solche, zu der ja auch Berater gehören, nicht so viele gute Ideen hat, dann muß man eben so tun, als hätte man neue Ideen und verkauft den alten Wein in den neuen Schläuchen. Denn die neuen Manager wissen ja nicht, daß diese Idee schon vor 10 Jahren als mehr als unsinnig verworfen wurde – die sind ja neu und mit den neuen Tools sieht ja auch alles ganz anders aus.

Eine lange Zeit war es so, daß tatsächlich viele neue Ideen produziert werden konnten, es herrschte quasi ein Umsetzungsstau von Ideen, die sich aufgrund der Erfindung neuer Technologien ergaben. Es war die Gründerzeit von vielen Beratungsunternehmen.

Wie oft aber wird der Personalcomputer erfunden?

Jetzt muß man aber noch unterscheiden in Beratungsunternehmen und Unternehmen die sich Beratung nennen, aber, vornehmlich in der IT,  in Wirklichkeit nur Personal vermitteln.
Da aber die Vermittlung alleine zu großen Schwankungen unterliegt, springen die ab und an auch auf den Ideenzug auf. Man muß Markt eben generieren, wo keiner ist.
Zuvor muß man dem Kunden nur noch suggerieren, daß der Berater „den Markt“ besser kennt als der Kunde selbst, dessen Profession es aber doch ist, seinen Markt zu kennen.
Und zum Beweis bringt der Berater ja immerhin Statistiken und Studien mit und internationale Benchmarks und keiner fragt ihn so richtig, ob die Benchmarks denn brauchbar und valide sind – schließlich hat der Berater ja eine Dependance „auf der 5th“ und kann fließend englisch 😉
Auch hat der Berater Zugriff zu einer meist weltweiten Datenbank, in der alle Lösungen zu allen Problemen stehen (zumindest die Folie dazu). Und schließlich fließen die eigenen Daten nach Beratungsende in eben diese Datenbank ein.
Da man aber doch weiß, welchen un-Wert die bei einem selbst erhobenen Daten haben, kann es mit der Validität der weltweiten Datenbank doch nicht so weit her sein – oder? In der Mathematik macht Minus mal Minus = Plus. Das darf man aber bitte nicht mit Minus plus Minus verwechseln!!

Spätestens jetzt sollten wir wieder zurückfinden auf den Boden der Tatsachen, uns darauf konzentrieren, das Unternehmen zu lenken – natürlich unter Zuhilfenahme derer, die wir für Wert befunden und eingestellt haben.

Die haben wir ja nicht eingestellt, um ihnen am nächsten Tag sagen zu lassen, wie’s geht, sondern weil wir davon überzeugt sind, daß sie das selbst wissen. Wir haben sie gesucht und wir haben sie gefunden.

Warum suchen wir weiter?

Das ist ein extrem teures Unterfangen.

Manchmal beherrschen Mitarbeiter Dinge nicht, weil sie z. B. neu sind. Dann sollen sie es eben in der Zeit lernen, in der sie sich bisher mit Berater“ideen“ herumschlagen mußten – es bleibt immer noch Zeit übrig.

Was passiert dann ?

Ein Großteil der Beratungsfirmen entwickelt noch eine ganze Zeit „Ideen“, und macht dann dicht.
Das ist Marktwirtschaft. Wo keine Nachfrage, da kein Profit.

Und wenn sich dann einer der Ex-Berater bei uns um eine Anstellung bewirbt, können wir in seinen Bewerbungsunterlagen lesen und sehen, was er wirklich an Erfahrung aufzuweisen hat.

Und wir konzentrieren uns wieder darauf, das Unternehmen zu lenken. Das geht dann sogar wieder etwas gemütlicher und mit Muße zur Qualität und Gründlichkeit, weil man sich mit seinem eigenen Geschäftszweck und nicht mit der Erfüllung des Geschäftszweckes eines anderen Unternehmens auseinandersetzt. Man spart Millionen, die nicht mehr ausgegeben werden, um die Angestellten Dritter zu bezahlen. Man spart Millionen, die nicht mehr aufgewendet werden müssen um Büroraum und technisches Equipment für Angestellte Dritter vorzuhalten.
Die Mitarbeiter entwickeln wieder ein eigenes Selbstbewußtsein – der Weg zur Unternehmensidentität ist bereitet.
Man kann wieder eigene Ideen entwickeln und sogar eigene Fragen generieren, die man, wenn nicht lösbar, dann wieder einem Berater stellen kann.

Dann liegt das Gesetz des Handelns wieder bei den verantwortlichen Unternehmenslenkern. Und es zeigt sich wieder, wer ein guter Geschäftsmann (nicht Manager) ist.
Heute versteckt man sich zu sehr hinter Beratern die nachweislich nicht besser sind als man selbst – es sei denn, man ist nicht gut.

 

In die Ecke, Besen! Besen!
Seids gewesen!
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.
J.W. v. Goethe

 

Volker Lösch

Bildungswesen, Pisa und die Angst vor dem Konflikt

….das Jahr neigt sich zum Ende, in den Schulen ist praktisch Halbzeit und die nächste Versetzungswelle wirft ihre Schatten voraus. Man kann sie eigentlich schon wieder hören – die Gymnasial-Verantwortlichen. Landläufig erschallt das Wehklagen der Gymnasien ob des An­sturmes von zusätzlichen Schülern aus den neuen Jahrgängen. Die Masse kann kaum aufgenommen werden und die Eltern der nicht aufgenommenen Schüler laufen Sturm ob dieser miserablen Schulpolitik.

Wie kommt das eigentlich, dass wir so viel „gymnasialfähigen“ Nachwuchs haben? Wo doch allenthalben konstatiert wird, dass das Bildungssystem der Republik im Argen liegt, wo doch wohlbekannte Studien aussagen, daß unser Nachwuchs eigentlich –im Vergleich zu anderen Ländern- eher verblödet ist, als gut gebildet? Wo wir alle doch tagtäglich feststellen müssen, daß die heutigen Schulabgänger oft ohne Taschenrechner nicht einmal drei Zahlen addieren können.

Lehrern aller Schulstufen wird vorgehal­ten, dass sie ihrem Bildungsauftrag nicht nachkommen, dass den Schülern nicht ge­nügend Lehrstoff vermittelt wird. Die Leh­rer wehren sich mit Seminaren, wo sie ler­nen, wie man Wissen vermittelt und erklä­ren sich z. B. über gekürzte Bildungs­etats und Fehlsteuerung „aus dem Ministerium“. Sie erklären sich also mit konflikt­freien Sachverhalten. Konfliktfrei deshalb, weil ja jeder versteht, dass ein minder aus­gebildeter Lehrer nichts dafür kann. Kon­fliktfrei auch deshalb, weil ja jeder ver­steht, dass ein Lehrer nicht schuld ist, wenn die Budgets gekürzt werden und Planstellen nicht besetzt werden – das ist Politik.

Dass es aber auch andere Ursachen für dieses Phänomen gibt, die aber nur unter Akzeptanz von Konflikten geheilt werden können, wird geflissentlich unterschlagen.
Wieso eigentlich geht man diesen Kon­flikten aus dem Weg? Doch nicht deshalb, weil heute Jahrgänge Lehrer und Schulleiter sind, die in den 70er Jahren konfliktscheu, im Sog der antiautoritären Welle, erzogen wurden?

Lassen Sie uns diese Konflikte doch ein­mal gemeinsam betrachten.

Vor 40 Jahren gab es Sonderschüler, Hauptschüler, Mittelschüler und Gymnasiasten. Dann stellte der Mensch fest, dass der Nachbarssohn beim Kampf um den Ausbildungsplatz bei der Versicherung schneller akzeptiert wurde, weil er Abitur hatte. Der Eigene hatte nur Mittelschulausbildung und musste deshalb einen Sonder-Aufnahmetest bestehen.
Jetzt stellt der Mensch die Weichen. Der zweite Spross der Familie muss auf jeden Fall aufs Gymnasium – man hat ja ver­standen wie’s funktioniert und will ja nur sein Bestes. Der Lehrer empfiehlt, das nicht zu tun, wegen der schlechten Leis­tungen. Der Mensch besteht darauf – er will ja nur sein Bestes.

Der Gymnasialrektor steht nun vor einem anderen Problem. Er hat eine ganze Menge derartiger Schlechtleister, die er eigentlich nach Hause schicken müsste. Zunächst behält er sie, weil damit seine Schule und seine Macht wächst und spä­ter behält er sie, da sonst seine Statistik derer, die in seiner Schule nicht zur Reife geführt wurden, schlecht ausfällt. „Andere machen das ja auch so“.

Der Leistungsstandard in den Gymnasien fällt rapide, weil ja die „wirklichen“ Gymna­siasten auf das Niveau der „Eigentlich-Mittelschüler“ heruntergezogen werden müssen.
Der Mensch sieht keine Veranlassung ein­zuschreiten oder seinem Spross zusätzliche Bildung zukommen zu lassen, „weil, es läuft doch gut, der Bub schreibt immer Ar­beiten im Schnitt.“

Der nächste Nachbar sieht, „dass SOGAR DER das Gymnasium schafft“ und verlangt natürlich auch, dass sein Sohn aufgenom­men wird. Und der Kreislauf der verblödeten Gesellschaft, der vorerst bei der PISA-Studie endet, beginnt.

Und weil immer mehr Menschen glauben, dass ihre Kinder das NIVEAU haben, auf dem Gymnasium zu bestehen, haben sie keine Veranlassung, ihren Kindern auf die Füße zu treten, aufdass sie mehr leis­ten. Keine Veranlassung, ihren Kindern Anstand anzuerziehen, „wo der mit seinem Benehmen doch sogar auf dem Gymnasium besteht!!!“
Und am Ende haben sie sich sogar daran gewöhnt, dass sie sich um ihre Brut ei­gentlich nicht mehr zu kümmern brau­chen, wenn sie erst mal auf dem Gym­nasium ist, denn diese Brut hat ja jetzt schon mehr erreicht als man selbst – und sie tun’s auch nicht.

Dass das herabgesetzte Niveau schuld daran ist, dass alle es „schaffen“, interessiert dabei nicht wirklich.

Wer ist denn nun schuld an dieser Misere? Die Lehrer, die Eltern oder ist es gar der Staat?
Der Staat ganz gewiss nicht, denn der ist nur die Summe aller Beteiligten.
Die Lehrer sind’s und die Eltern. Die Einen sind zu konfliktscheu, den Eltern klipp und klar zu sagen, dass der Schüler nicht auf das Gymnasium gehört, weil er erstens nicht das Potential hat und sich zweitens nicht benehmen kann. Die Anderen sind nicht willens einzugestehen, dass ihr Kind nun mal ein klassischer Haupt- oder Mit­telschüler ist – was doch bei Gott keine Schande ist!
Denn – verlieren wir den Mittelschüler, verliert die Gesellschaft einen wichtigen Grundstock und die Hauptschüler verkommen zum Ausschuss.

Blieben Schüler, die heute zu unrecht auf das Gymnasium geschickt werden, in der Mittelschule und die dort zu unrecht auf­genommenen Schüler in der Hauptschule, dann hätten alle Schulformen einen we­sentlichen Vorteil davon. In allen Schul­formen stiege das Niveau abrupt an. Der Hauptschüler würde wieder zum Grund­stock für das Handwerk. Der Mittelschüler würde wieder vorbereitet für kaufmänni­sche Berufe und der Gymnasiast würde derjenige sein, der zu recht um einen Studienplatz ansteht.

Jetzt hört der Autor schon die Ausrufe „Diskriminierung des Handwerks“!!!!!

Blödsinn – wer will uns weismachen, dass man zum Löten von Kupferleitungen Abitur haben muss? Derjenige sollte uns lieber klar machen, dass man dazu eine heraus­ragende technische und praktische Intelli­genz braucht, die so mancher Abiturient oder geistige Überflieger eben nicht hat. Was hat man nicht schon Professoren gesehen, die nicht in der Lage sind, eine Glühbirne zu wechseln ?
Darum geht’s – jeder an seinem Platz und zwar als bester. Dann haben auch unsere Universitäten wieder eine Chance mit gut ausgebildeten Studenten zu forschen und schnellere, bessere Studienabschlüsse zu machen. Dann haben die Lehrer in den Schulen wieder die Motivation mit Schü­lern zu leistungsorientierten Ergebnissen zu kommen, die wirklich ihrer Leistungsfä­higkeit entsprechen. Ein Mittelschullehrer kann wieder die wirklichen Grenzen einer Mittelschulausbildung ausloten, und die sind heute bei weitem noch nicht erreicht. Der Handwerksmeister bekommt wieder Bewerbungsunterlagen auf den Tisch, die die Bezeichnung Haupt- oder Mittelschulabschluss auch verdienen und deren Bewerber eine Chance haben, den Beruf so zu erlernen, dass man auf das Ausbildungsergebnis stolz sein kann und sich nicht mit Leuten auseinandersetzen muss, die Italien für die Hauptstadt von Frankreich halten und nicht wissen, wie viel Gramm ein Kilo hat. Wollen Sie von so jemandem ein Haus gebaut bekommen?

Das Bildungswesen braucht Regeln, die die Zulassung zur nächsten Bildungsstufe tatsächlich regeln – deshalb heißen sie so.

Bei einem Fußballspiel gibt es die Regel, dass max. 22 Spieler auf dem Feld sein dürfen. Und weil sich jeder an diese Regel hält, können die Schiedsrichter das Spiel unter Kontrolle halten und die eingesetz­ten Hilfsmittel, wie Tore und Bälle, sind wohl ausgewogen vorhanden. Stellen Sie sich vor, hier wollten auf einmal mit jedem Spiel immer mehr Personen mit eigenem Ball mitspielen, weil man da ja so gut verdient. Dann sänke erstens das Niveau noch weiter, und zweitens sähe es auf dem Spielfeld so aus, wie an deutschen Universitäten. Ein Spiel wäre nicht möglich und an den Universitäten können Studenten schon nicht mehr sitzen, weil zu viele Studenten da sind, die in der oberen Liga mitspielen wollen.

Richtig – wollen, nicht können. „Wieso nicht können? Die können doch, sonst täten sie es nicht! Die schreiben doch immer Klausuren im Schnitt! Und der Nachbarssohn ist doch auch …“ – eben.

Wir diskutieren darüber, dass die Universi­täten und Gymnasien die Massen nicht aufnehmen können, anstatt die Massen zu reduzieren und damit nahezu alle Prob­leme von Finanzierung, über Raum bis hin zu Eliteuniversitäten auf einen Schlag zu minimieren.
Es könnte alleine mit einem einheitlichen Aufnahmetests für das Gymnasium gelin­gen, der ausnahmsweise, als erkennbarer Lebensabschnitt, nicht vorher bekannt ist und der sowohl Lehrer als auch Schüler im Vorhinein zwingt, an die Grenze der Leistungsfähigkeit zu gehen. Denn tut man das dann nicht, besteht die reale Gefahr, das Gymnasium nicht besuchen zu können. Dann hat man Druck – den dann nicht die Lehrer ausüben müssen, sondern die Familien, denn dort ge­hört er wieder hin. Dann bringt man viel­leicht den Kindern wieder zu Hause bei, dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist. Dann hat die Familie vielleicht wieder ein Interesse, dem Kind die Schmach des Scheiterns zu ersparen und motiviert es zu einem hervorragenden Mittelschul- oder Hauptschulabschluss, der dann allemal besser ist als ein Versagen im Abitur oder erst im Studium.

Und wenn wir uns dann bei dem Einen oder dem Anderen in der Auswahl getäuscht haben, wird der Eine eben auf dem Gymnasium versagen und alsbald zurückgestuft und der Andere, der mehr kann, wird sich auf Dauer trotzdem behaupten – das ist schon tausendfach so geschehen.
Wir sollten nicht Angst haben, einem Ein­zelnen Unrecht zu tun und damit in der Konsequenz die ganze Republik in die Mittelmäßigkeit führen. An der Basis müs­sen schmerzliche Entscheidungen getrof­fen werden und zwar von den Schulen – damit die Eltern verstehen, was sie tun müssen und damit das Bildungswesen wieder eine Chance hat.