Ist es der Geiz oder der Wettbewerb ?

 

Der Deutsche gibt zu wenig für seine Ernährung aus. Insgesamt im Durchschnitt ca. 15% seines Einkommens.

Der Deutsche ist zu geizig, sich seine Ernährung etwas kosten zu lassen.

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Glaubt da einer dran ?

Glaubt einer, daß das am Deutschen liegt ?

Ganz bestimmt liegt das am Deutschen – aber nicht am deutschen Verbraucher!

Allenthalben wird dem deutschen Verbraucher von deutschen Nahrungsmittel-Herstellern und ihren angegliederten Günstlingen in Politik und Presse suggeriert, daß er schuld an schlechten Lebensmitteln ist, weil er fürs Essen kein Geld auf den Ladentisch legen will.

Die Nahrungsmittelindustrie muß deshalb mit z.T. sehr zweifelhaften Methoden billige Nahrungsmittel produzieren. Daß dabei sowohl der Tierschutz, die Hygiene, die Umwelt oder gar die Gesundheit leidet, liegt damit natürlich an diesem Verbraucherverhalten.
Eine Kuh, die am Tag 60 Liter Milch produzieren soll, kann eben nicht mehr laufen. Das Euter ist viel zu Dick und damit ihren Beinen einfach im Wege. Und daß man ihr für diese Leistung helfen muß und ihr Antibiotika gibt, die dann in der Milch und dem Fleisch enthalten sind, ist doch nur zu normal.

Auch kann eine Sau, die 150 Kilo und 4 hinzugezüchtete Rippen mehr hat, eben nicht mehr gescheit stehen und so hält man sie lieber in Käfigen, die zu eng zum Umfallen sind.

Und glaubt tatsächlich einer, daß eine Hühnchenbrust, die an praktisch weggezüchteten Beinen hängt, noch alleine laufen kann ?

Tja, der Verbraucher, der elende Tierquäler!

Und daß der Verbraucher auch noch billiges Brot kaufen will, ist ein weiteres Grundübel. Das kriegt die Nahrungsmittelindustrie ja sowieso nur noch mit Gen-manipulierten Grundstoffen hin!

Glaubt das alles wirklich einer ?

Glauben die Nahrungsmittelhersteller wirklich, daß der Verbraucher blöde ist ? Glaubt die Politik tatsächlich alles, was ihr die Nahrungsmittel-Lobby erzählt ? Oder ist da Geld im Spiel ?

Fakt ist doch folgendes:
Es herrscht Verdrängungswettbewerb. Der früher vorhandene Markt, in dem sich der Verbraucher noch in einem funktionierenden Wettbewerb bewegen konnte, ist Dank nicht funktionierender Kartellbehörden, praktisch nicht mehr vorhanden. Es geht inzwischen darum, die letzten frei vagabundierenden Verbraucher zu binden und den direkten Wettbewerber in den Ruin oder in die Übernahme zu drängen. Und zwar über den Preis! Über sonst nix.

Die Qualität ist bei allen gleich. Es gibt doch nur noch ganz wenige Zulieferer. Wo sollte da der Qualitätsunterschied herkommen ? Die wenigen Hersteller, die sich abhebende Qualität bieten, können gar nicht in diesen Abnahmemengen und zu diesen Preisen herstellen, um diese Nahrungsmittel-Giganten zu bedienen.
Die Preisschlachten führen dazu, daß die Lieferanten immer mehr ausgepresst werden. Deren Reaktion ist dann diese tierverachtende Produktion von Fleisch, die Beschäftigung von Lohnsklaven aus dem Ausland, die Beimischung von „Abfall“ um die Fleisch-Liefermengen zu erhöhen und einen günstigen Preis garantieren zu können. Die Beispiele sind vielfältig. (Ich würde gerne eine TV-Sondersendung sehen, in der alle an den Fleischskandalen beteiligten Unternehmen einer Nachschau unterzogen werden.)

Der Supermarkt, der die Produkte ins Regal stellt ist von jeglicher Haftung freigestellt, weil erstens das Recht inzwischen auf seiner Seite ist und er ja schließlich vom Lieferanten eine ganz bestimmte Qualität gefordert hat. Ob er diese denn dann auch kontrolliert, ist eine ganz andere Sache. Im Zweifel muß die Lobby ja nur Einfluß auf die Politik nehmen, daß irgendwelche Grenzwerte verändert werden. Dann ist es auf einmal eben rechtens, daß Geflügelwurst auch Schwein enthalten darf! Dann paßt es schon wieder.

So, und glaubt jetzt tatsächlich einer, daß er ein besseres, reineres Produkt erhält, wenn er mehr zahlt ? Natürlich nicht! Er bekommt den gleichen Dreck – nur zu einem höheren Preis! Wo soll denn die andere Ware herkommen ? Der alte Dreck wird umdeklariert und schon hat sich das. Leider hat nicht jeder Zugang zu einem Bauernhof seines Vertrauens, wo er seine Produkte beziehen kann. Wir leben in einer Massengesellschaft.

Wir bekommen, übrigens unwidersprochen durch die Politik, täglich per Werbung suggeriert, daß die jeweils angebotenen Produkte ganz toll sind. Der Verbraucher kann das nur selten überprüfen. Es ist auch nicht seine Aufgabe in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Und zu seinem Schutze bezahlt er ja schließlich mit seinen Steuern ein ungeheures Heer an Spezialisten, die im Gesundheitsministerium und im Innenministerium und im Wirtschaftsministerium sitzen, um ihn vor unlauteren Praktiken zu schützen.
Der Verbraucher glaubt also völlig zu recht an seine Volksvertreter mit deren Apparaten und daß sie ihn vor Unbill schützen. Oder für was sind sie sonst da ?

So – und dann geht er, ausgestattet mit diesem Gott- bzw. Amtsvertrauen, zum Einkaufen. Dort hat er die Wahl zwischen verschiedenen, aber immerhin sehr ähnlichen Produkten, die nach seiner Kenntnis (s. Werbung) ganz toll sind und noch dazu von unseren Spezialisten für gut befunden wurden. Denn sonst dürften die doch bestimmt nicht verkauft werden. Und was macht er dann ? Er verhält sich wie ein Kaufmann oder zumindest wie ein in der sozialen Marktwirtschaft erzogener Mitbürger. Er wählt das Produkt aus, das ihm am besten gefällt und innerhalb dieser Kategorie das Billigste. Wohlgemerkt – er kann das Günstigste nicht vom Billigsten unterscheiden, weil ja angeblich alle Produkte in Ordnung sind und seine mit Steuern finanzierten Ämter ihn nicht gewarnt haben oder gar das Produkt verboten haben. Und da er seine Brille nicht dabei hat um die 4-Punktschrift in weiß auf grauem Hintergrund zu lesen und er auch während seiner Arbeit keine Zeit hatte nebenbei noch Chemie zu studieren, könnte er einen Unterschied zum Kaufzeitpunkt ohnehin nicht ausmachen.
Klipp und klar – er nimmt das billigste, weil es angeboten wird. Und weil es unbedenklich sein muß. Darauf vertraut er.
So – und wieso ist nun der Verbraucher ein Geizhals, wenn er sich doch nur so verhält, wie es rational ist ? DAS ist Marktwirtschaft. Und übrigens macht das der Hersteller des Produktes auch so. Glaubt irgendwer, daß der lieber teurer einkauft, wenn er gleichwertige Produkte zu unterschiedlichen Preisen angeboten bekommt ? Nur beschäftigt der Chemiefachkräfte, die ihn im günstigsten Fall vor Fehleinkäufen schützen.

Was nicht funktioniert sind die von uns bezahlten und vom Gesetzgeber eingesetzten Kontrollorgane!

Für was brauche ich diesen Apparat, wenn dann doch minderwertige Lebensmittel in die Märkte gelangen ?

Und am Ende macht man die Verbraucher dafür verantwortlich, daß die Profiteure den größten Profit machen wollen. Übrigens wird diese Mär auch noch von den Print- und TV-Medien kritiklos verbreitet! Glückwunsch zu so viel intelligentem Journalismus!

Der Staat muß draufhauen und gute Qualität durch ganz strenge Vorgaben und Kontrolle derselben durchsetzen. Und zwar SO, daß gute Qualität automatisch mehr kostet. Also umgekehrt. Erst den Aufwand für die Herstellung erhöhen und dann zu Recht mehr dafür verlangen. Denn – wenn wir einfach mehr zahlen, bleibt es beim Dreck und der Hersteller bestellt schon mal seinen neuen Porsche!

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