Manager, Berater oder Beobachtungen aus der Wirtschaft

….er hat es so schwer, wie keiner seiner Vorgänger – der Manager der Neuzeit. Ich vermeide bewusst den Begriff Unternehmenslenker. Denn Manager sind viele und Unternehmen lenken nur wenige. Viele derer, die es sollten, lenken schon lange kein Unternehmen mehr. Sie managen eben. Sie haben keine Zeit mehr, eine eigene Unternehmensidentität zu entwickeln. Corporate Identity ja – aber Unternehmensidentität nein.

Die Frage, wo will ich morgen sein, was brauche ich dazu und wie komme ich wirklich dort hin, ohne das Übermorgen auf’s Spiel zu setzen? Das Bedenken der Risiken, die sich bei der Umsetzung ergeben können und das Einbeziehen der im Unternehmen vorhandenen Fachleute – das findet heute nicht mehr wirklich statt!

Man zieht Berater zu rate – die sind Ende 20 bis Ende 30 Jahre alt, mit vollwertigem Studium und haben 15 Jahre internationale Erfahrung, noch dazu im einschlägigen Geschäftsumfeld  😉

Ist nicht alleine das schon verdächtig??

Beherrscht werden die Alltage dadurch, daß unablässig irgendwelche „Berater“ den Managern zwingend umzusetzende Ideen implantieren, die dann natürlich von eben diesen Beratern gegen höchste Tagessätze in den Häusern realisiert werden sollen.
Lean Management, lean Banking, e-Banking, Six sigma, ISO 9000, process reengineering, continuous improvement. „Und die Japaner haben es schon erfolgreich umgesetzt.“
Allesamt doch sicherlich Maßnahmen, die mit hervorragender Durchschlagkraft die Situation der deutschen Unternehmen nachhaltig verbessert haben – oder?
Die Manager finden sich dann wieder in heute typischen Manager-Rollen. Sie sind Mitglieder oder besser noch Leiter von Projektgremien und Lenkungsausschüssen, in denen dann, DIN A 4 quer natürlich, von den Beratern auf 250 Seiten gezeigt wird, was auf 3 Seiten Prosa Platz hätte. Und für diese 250 Seiten Powerpoint-Folien braucht man dann immer noch einen Conferencier, der erklärt, was auf den Folien steht, denn konkrete Aussagen macht schon lange keiner mehr schriftlich. Und wenn man es in englisch vorträgt, fragt auch kaum einer nach.

Früher, als ein Berater noch ein Berater war, kam dieser ins Haus, weil ihn jemand gerufen hat, der einen Rat suchte.
Frage: Warum eigentlich kommt heute der Berater, ohne daß er gerufen wurde?
Antwort: Weil er da ist, der Besen;-)

Walle! Walle manche Strecke, daß zum Zwecke ... Ja, zu welchem Zwecke eigentlich?

Zu seinem Geschäftszwecke – ungefragt Ideen zu verkaufen.

Es stellt sich dann die Frage, wie viele gute Ideen es in einem begrenzten Zeitraum und in einem begrenzten geschäftlichen Umfeld gibt, die tatsächlich wesentliche, bleibende Veränderungen oder gar Wachstum und Rendite bringen?
Es schließt sich unweigerlich die Frage an, warum in den letzten Jahren die Berater immer mehr und bessere Ideen haben, als die von den Managern ausgewählten und für gut befundenen, eigenen Mitarbeiter oder Leitenden Angestellten?
Die Antwort auf beide Fragen ist folgende: Weil es inzwischen das Geschäftsmodell von ungerufenen Beratern ist, Ideen zu verkaufen. Nur wer Neues hat, kann auch Neues verkaufen. Das ist auch der Grund, warum binnen weniger Wochen eine sogenannte Berateridee sofort von den meisten anderen Beratern adaptiert und verkauft wird. Zumindest werden Segmente der „Neuen Idee“ oder Personal, das diese Neue Idee „schon mit Erfolg eingesetzt“ hat, angeboten. Alleine die Tatsache, daß nun jeder Berater überall die gleiche Lehre verbreitet, schafft in den Unternehmen eine Welle von Verunsicherung und kostenwirksamen Aktivitäten.

Und wenn die Menschheit als solche, zu der ja auch Berater gehören, nicht so viele gute Ideen hat, dann muß man eben so tun, als hätte man neue Ideen und verkauft den alten Wein in den neuen Schläuchen. Denn die neuen Manager wissen ja nicht, daß diese Idee schon vor 10 Jahren als mehr als unsinnig verworfen wurde – die sind ja neu und mit den neuen Tools sieht ja auch alles ganz anders aus.

Eine lange Zeit war es so, daß tatsächlich viele neue Ideen produziert werden konnten, es herrschte quasi ein Umsetzungsstau von Ideen, die sich aufgrund der Erfindung neuer Technologien ergaben. Es war die Gründerzeit von vielen Beratungsunternehmen.

Wie oft aber wird der Personalcomputer erfunden?

Jetzt muß man aber noch unterscheiden in Beratungsunternehmen und Unternehmen die sich Beratung nennen, aber, vornehmlich in der IT,  in Wirklichkeit nur Personal vermitteln.
Da aber die Vermittlung alleine zu großen Schwankungen unterliegt, springen die ab und an auch auf den Ideenzug auf. Man muß Markt eben generieren, wo keiner ist.
Zuvor muß man dem Kunden nur noch suggerieren, daß der Berater „den Markt“ besser kennt als der Kunde selbst, dessen Profession es aber doch ist, seinen Markt zu kennen.
Und zum Beweis bringt der Berater ja immerhin Statistiken und Studien mit und internationale Benchmarks und keiner fragt ihn so richtig, ob die Benchmarks denn brauchbar und valide sind – schließlich hat der Berater ja eine Dependance „auf der 5th“ und kann fließend englisch 😉
Auch hat der Berater Zugriff zu einer meist weltweiten Datenbank, in der alle Lösungen zu allen Problemen stehen (zumindest die Folie dazu). Und schließlich fließen die eigenen Daten nach Beratungsende in eben diese Datenbank ein.
Da man aber doch weiß, welchen un-Wert die bei einem selbst erhobenen Daten haben, kann es mit der Validität der weltweiten Datenbank doch nicht so weit her sein – oder? In der Mathematik macht Minus mal Minus = Plus. Das darf man aber bitte nicht mit Minus plus Minus verwechseln!!

Spätestens jetzt sollten wir wieder zurückfinden auf den Boden der Tatsachen, uns darauf konzentrieren, das Unternehmen zu lenken – natürlich unter Zuhilfenahme derer, die wir für Wert befunden und eingestellt haben.

Die haben wir ja nicht eingestellt, um ihnen am nächsten Tag sagen zu lassen, wie’s geht, sondern weil wir davon überzeugt sind, daß sie das selbst wissen. Wir haben sie gesucht und wir haben sie gefunden.

Warum suchen wir weiter?

Das ist ein extrem teures Unterfangen.

Manchmal beherrschen Mitarbeiter Dinge nicht, weil sie z. B. neu sind. Dann sollen sie es eben in der Zeit lernen, in der sie sich bisher mit Berater“ideen“ herumschlagen mußten – es bleibt immer noch Zeit übrig.

Was passiert dann ?

Ein Großteil der Beratungsfirmen entwickelt noch eine ganze Zeit „Ideen“, und macht dann dicht.
Das ist Marktwirtschaft. Wo keine Nachfrage, da kein Profit.

Und wenn sich dann einer der Ex-Berater bei uns um eine Anstellung bewirbt, können wir in seinen Bewerbungsunterlagen lesen und sehen, was er wirklich an Erfahrung aufzuweisen hat.

Und wir konzentrieren uns wieder darauf, das Unternehmen zu lenken. Das geht dann sogar wieder etwas gemütlicher und mit Muße zur Qualität und Gründlichkeit, weil man sich mit seinem eigenen Geschäftszweck und nicht mit der Erfüllung des Geschäftszweckes eines anderen Unternehmens auseinandersetzt. Man spart Millionen, die nicht mehr ausgegeben werden, um die Angestellten Dritter zu bezahlen. Man spart Millionen, die nicht mehr aufgewendet werden müssen um Büroraum und technisches Equipment für Angestellte Dritter vorzuhalten.
Die Mitarbeiter entwickeln wieder ein eigenes Selbstbewußtsein – der Weg zur Unternehmensidentität ist bereitet.
Man kann wieder eigene Ideen entwickeln und sogar eigene Fragen generieren, die man, wenn nicht lösbar, dann wieder einem Berater stellen kann.

Dann liegt das Gesetz des Handelns wieder bei den verantwortlichen Unternehmenslenkern. Und es zeigt sich wieder, wer ein guter Geschäftsmann (nicht Manager) ist.
Heute versteckt man sich zu sehr hinter Beratern die nachweislich nicht besser sind als man selbst – es sei denn, man ist nicht gut.

 

In die Ecke, Besen! Besen!
Seids gewesen!
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.
J.W. v. Goethe

 

Volker Lösch

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